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Kritik an Einladung für Papst Franziskus in EU-Parlament

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Als „äußerst unangemessen“ hat der Präsident der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) am Freitag die wiederholte Einladung für das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einer Rede im Europäischen Parlament bezeichnet.
Samstag, 12. Oktober 2013
Foto: European Humanist Federation

Pierre Galand: EHF hofft, dass EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zukünftig umfassenden Respekt für die Trennung zwischen Kirchen und Politik zeigt. Foto: EHF

Eine erste Einladung an Papst Franziskus hatte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) bereits kurz nach dessen Wahl im vergangenen März ausgesprochen. Schulz meinte damals, im neuen Papst symbolisiere sich eine „Hoffnung für Gläubige wie Nicht-Gläubige“. Er freue sich deshalb darauf, „Papst Franziskus bald begrüßen zu dürfen, um die europäische und universelle Botschaft über unsere grundsätzlichen Werte zu verbreiten, die wir heute mehr denn je brauchen.“

Bei einem Treffen mit dem Papst am gestrigen Freitag in Vatikanstadt hat Martin Schulz die Einladung des Europäischen Parlaments erneuert. Gegenüber Radio Vatikan sagte Schulz vor dem Treffen, Franziskus sei „ganz sicher von seinem Amt her, aber auch als Persönlichkeit und vor allem auch mit seinem nichteuropäischen Hintergrund für uns ein in jeder Hinsicht vielversprechender Gast, der uns in einer sehr klaren Form seine Vorstellungen über die Rolle Europas und die Rolle der Kirche in diesem 21. Jahrhundert vortragen könnte.“

Deutliche Kritik an der Einladung äußerte gestern EHF-Präsident Pierre Galand. Aus Sicht der EHF ist die „Einladung äußerst unangemessen für eine europäische Institution, welche Bürger aller Glaubensrichtungen und einschließlich der Nichtgläubigen repräsentiert.“

Sie sei jedoch kennzeichnend für die Privilegien, welche die katholische Kirche in Europa und den europäischen Institutionen schon immer genossen habe. Pierre Galand: „Wir hoffen sehr, dass Papst Franziskus die Einladung ablehnen wird, und dass der Präsident des Europäischen Parlamentes zukünftig umfassenden Respekt für die Trennung zwischen Kirchen und Politik zeigt.“

Anders als die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag im September 2011 sind derartige Auftritte von religiösen Führungspersönlichkeiten im Europaparlament allerdings keine neue Sache. Zuletzt sprach dort 1998 das damalige Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II., wiederholt war auch der Dalai Lama als höchster Vertreter des tibetischen Buddhismus vor der Vollversammlung der EU-Parlamentarier zu Gast.

Foto: © European Union 2013 - European Parliament

Martin Schulz (l.) beim Treffen mit Papst Franziskus am Freitag in Rom. Foto: © European Union 2013 - European Parliament

„Es gibt immer Kolleginnen und Kollegen, die Bedenken bei Reden von Religionsführen im Europäischen Parlament haben, aber zum einen ist der Papst ein Staatsoberhaupt, zum andern ist mein Eindruck, dass gerade die kritisch eingestellten Kollegen mit Neugier auf ihn warten“, sagte Martin Schulz in der vergangenen Woche zu der Einladung an das neue Oberhaupt der umstrittenen Religionsgemeinschaft in der katholischen Zeitung „Die Tagespost“.

Eine vollständig unkritische Haltung gegenüber dem Papst pflegte das Gremium in der Vergangenheit jedenfalls nicht. Empörung bei Vertretern der Kirche im Plenum hatte etwa ein 2009 eingebrachter Antrag ausgelöst, mit dem Äußerungen von Benedikt XVI. über Kondome im Kampf gegen AIDS im Menschenrechtsbericht des Parlaments gerügt werden sollten.

Weniger ablehnend als die EHF-Spitze äußerte sich auf Anfrage der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschland, Mitgliedsorganisation im europäischen Dachverband, und ehemalige Abgeordnete im EU-Parlament Frieder Otto Wolf.

Er verwies ebenfalls darauf, dass im Gegensatz zum Deutschen Bundestag dieses Gremium seit langem eine entsprechende Tradition pflege und sie nicht auf die katholische Kirche begrenzt war. „Aus meiner Sicht wäre es fair und ein bedeutendes Signal, dass hier in Zukunft auch einmal eine Stimme im Namen der vielen Millionen von Menschen in Europa gehört wird, die ohne den Rückgriff auf religiöse Ideen und Überzeugungen ihren Beitrag zur Entwicklung und Kultur der europäischen Gemeinschaft leisten. Ein wirklicher Skandal wäre es aus meiner Sicht, wenn diese hier wie bisher ausgeblendet und ausgegrenzt werden.“