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Schlemmerlieblinge: Nicht jede Nudel ist homophob

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Mit schwulenfeindlichen und erzkonservativen Äußerungen in einem Radio-Interview löste der Chef des italienischen Pasta- und Backwarenkonzerns Barilla in der letzten Woche große Empörung aus. Beim sächsischen Teigwarenhersteller Riesa hofft man, dass die Botschaften des italienischen Pasta-Papstes nicht auch den hiesigen Nudelfans ihren Appetit verderben.
Mittwoch, 2. Oktober 2013

„Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten“, sagte Konzernchef Guido Barilla gegenüber dem Sender Radio24 und erklärte, sein Konzern unterstütze die traditionelle „heilige Familie, in der die Frau eine fundamentale Rolle hat.“

Kinder kriegen, Nudeln kochen, katholisch sein: Das wünscht Barilla, zu dessen Konzern auch die bekannten Backwaren-Marken Wasa, Lieken Urkorn und Golden Toast gehören, offenbar dem weiblichen Teil der Kundschaft als Lebensaufgabe. Und zum Hinweis, dass homosexuelle Menschen unter anderem zu den Barilla-Konsumenten zählen, hieß es: „Wenn ihnen unsere Pasta gefällt und unsere Botschaft, ok. Wenn nicht, sollen sie eben andere Nudeln essen.“

Die Äußerungen führten umgehend zu empörten Protesten und Boykottaufrufen im Internet, Konkurrent Bertolli veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite ein Bild mit dem Satz „Pasta und Liebe für alle!“ Woanders hieß es: „Im Haus Buitoni ist Platz für jeden.“ Wütende Kunden verbreiteten Fotos von in Mülltonnen geworfenen Barilla-Packungen und riefen Ex-Tennisstar Stefanie Graf auf, nicht länger Werbung für das Unternehmen zu machen.

Im sächsischen Riesa kann man über derartige Aussagen ebenfalls bloß den Kopf schütteln: „Wir hoffen nur, dass diese Botschaft nun nicht negativ auf die ‚Nudel‘ als Produkt an sich abstrahlt“, erklärte ein Unternehmenssprecher der Riesaer Teigwaren auf Anfrage. Bekannt sind die „Riesa“-Produkte in Deutschland unter anderem wegen ihrer „Schlemmerlieblinge“, die es hier in so gut wie jedem Supermarkt gibt.

Foto: PR

Historisches Fabrikgebäude in Riesa: Die beliebten Teigwaren gibt es seit fast 100 Jahren. Foto: PR

Weiter hieß es beim Unternehmen, man lehne Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Allgemeinen ab: „Wir identifizieren uns überhaupt nicht damit“, so Vertriebschef Oliver Freidler zu den Ansichten des katholischen Pasta-Papstes aus Parma über Frauen und homosexuelle Menschen. Auch eine kategorische Ablehnung von Werbung mit Homosexuellen, „entspricht weder unserem Stil, noch unserer Überzeugung.“

Mittlerweile ist nun angesichts der geballten Kritik auch Guido Barilla zurückgerudert. Er ließ eine Stellungnahme veröffentlichen, mit der er sich von seinen Aussagen distanzierte und Firmenpartner sowie Angestellte um Entschuldigung bat. Seine Äußerungen hätten „keine echte Sicht“ auf seine Meinung dargestellt. Wer’s glaubt, wird selig.

Nudelfans in Deutschland, die auch in Zukunft noch leckere Pasta genießen wollen, brauchen jedenfalls nicht auf Marken zweifelhafter Herkunft zurückzugreifen, sondern können sich mit gutem Gewissen beim bunten Sortiment an Nudelsorten aus Sachsen bedienen: das laut offiziellen Angaben nicht nur garantiert vollständig ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe sondern auch ohne rückständige Meinungen produziert wird – und auf Wunsch sogar als Abo direkt nach Hause geliefert wird. Da wünscht dann auch das Fliegende Spaghettimonster einen gesegneten Appetit!