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Editorial von Erwin Kress

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Was können wir dazu beitragen, damit Menschen sich sowohl ihrer selbst, ihrer Lage als auch deren Veränderbarkeit bewusstwerden?
Montag, 28. Juni 2021
Erwin Kress

Erwin Kress (Foto: Evelin Frerk)

Liebe Humanist*innen,

Humanismus als Idee und Weltanschauung war immer mit Aufklärung verbunden. Was können wir dazu beitragen, damit Menschen sich sowohl ihrer selbst, ihrer Lage als auch deren Veränderbarkeit bewusstwerden?

Der humanistische Lebenskundeunterricht in Berlin und Brandenburg befasst sich bereits im Kleinen mit den kantischen Fragen „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hoffen?“. Unsere Humanistische Akademie geht bedeutsamen Fragen unserer Weltanschauung nach, etwa über Hoffnung im weltlichen Humanismus oder die theologische Mär von der atheistischen Verzweiflung. „Lebenskunde“, „Hoffnung“ oder auch „Seelsorge“, das sind Begriffe, die über reine Verstandesbildung hinausweisen.

Von Aufrichtigkeit über Barmherzigkeit und Respekt bis zu Zuversicht lässt sich ein Kanon von Eigenschaften, von Werten nennen, an denen zu arbeiten eine Aufgabe unseres praktischen Humanismus ist. Das können wir Herzensbildung nennen. Sascha Lobo, Autor und kritischer Zeitgenosse, pflichtet mir bei: „Bildung ohne Herzensbildung ist nichts wert. Im Gegenteil, sie stellt den direkten Weg in die Entzivilisierung der Gesellschaft dar.“

Und wer immer glaubt, wissenschaftliche Erkenntnisse allein würden die vor uns stehenden Menschheitsprobleme lösen, verkennt den Charakter der Spezies Mensch.

Die vor Ihnen liegende Doppelausgabe geht Fragen rund um eine humanistische Bildung, um Herzensbildung nach. Anregungen und Kritik dazu nehmen wir gern entgegen.

Ich wünsche Ihnen eine fruchtbare und anregende Lektüre.

Ihr

Erwin Kress

Vorstandssprecher
Humanistischer Verband Deutschlands – Bundesverband